Bei einer klassischen Oldtimer-Rallye geht es nicht um Höchstgeschwindigkeit, sondern um Präzision. Man nennt diese Form des Wettbewerbs Gleichmäßigkeitsprüfung (GLP). Das Ziel ist es, eine vorgegebene Strecke in einer exakt definierten Zeit zu fahren – oft auf die Hundertstelsekunde genau.
Hier ist ein Leitfaden, wie die Zeitmessung funktioniert und wie du die Technik meisterst.
1. Das Prinzip: Schnitt und Zeit
Der Veranstalter gibt für bestimmte Abschnitte der Rallye einen Schnitt vor (z. B. 36 km/h). Fahrer und Beifahrer müssen nun errechnen, nach welcher Zeit sie an welcher Stelle der Strecke sein müssen. Die Zeitmessung erfolgt meist an versteckten Lichtschranken oder durch Druckschläuche auf der Fahrbahn.
2. Die wichtigsten Hilfsmittel
Der mechanische Wegstreckenzähler (z. B. Halda Tripmaster oder Reproduktion)
Da die serienmäßigen Tachos in Oldtimern oft ungenau sind, wird ein mechanischer Wegstreckenzähler verbaut. Dieser wird meist über eine Welle oder einen Geber am Rad angetrieben.
- Funktion: Er zeigt die gefahrene Strecke auf zwei Zählwerken an (Gesamtstrecke und Etappenstrecke).
- Beachte: Wegstreckenzähler wie die „alten“ Halda-Geräte“ müssen vor der Rallye auf einer Referenzstrecke des Veranstalters kalibriert werden. Dazu ist ein Satz Zahnräder erforderlich. Bei etwas moderneren Modellen ist ein Wechsel von Zahnräder für die Kalibrierung nicht mehr erforderlich.

Die Schnitttabelle
Die Schnitttabelle und das Roadbook sind Teil der „Bibel“ des Beifahrers. Sie listet für jeden vorgegebenen Schnitt auf, wie viele Sekunden für jeden zehnten oder hundertsten Meter vergangen sein dürfen. Natürlich kannst du das auch selbst ausrechnen – eine laminierte Tabelle ist aber „schneller“.
Du fragst dich: „Warum laminiert“? Fahre einfach eine Rallye im offenen Roadster bei Regen und du kommst schnell auf die Antwort 🙂
Wie funktioniert nun die Schnitttabelle?
- Anwendung: Wenn der Schnitt 40 km/h beträgt, schaut der Beifahrer auf den Tripmaster (z. B. 400 Meter) und gleicht dies mit der Tabelle ab (z. B. 36,00 Sekunden).
- Korrektur: Ist das Auto laut Uhr erst bei 35 Sekunden, muss der Fahrer das Tempo leicht drosseln.
Der digitale Dreifach-Timer
Der digitale Dreifach-Timer ist das moderne Herzstück der Zeitnahme. Es handelt sich um drei gekoppelte Stoppuhren in einem Gehäuse.
- Timer 1 (Gesamtzeit): Läuft für die gesamte Etappe (z. B. 60 Minuten bis zur Mittagspause).
- Timer 2 (Sektionszeit): Misst die Zeit für eine aktuelle Gleichmäßigkeitsprüfung.
- Timer 3 (Countdown/Vorbereitung): Hilft, die nächste Lichtschranke „anzufahren“ oder Zwischenzeiten zu stoppen.
- Vorteil: Digitale Timer lassen sich oft synchronisieren, sodass man mit einem Knopfdruck die alte Zeit stoppt und die neue Prüfung startet („Split“- oder „Fly“-Funktion).
3. Aufgaben für Fahrer und Beifahrer
Der Beifahrer (Der Navigator & Rechner oder auch „Gehirn“ genannt)
Der Beifahrer hat bei der Zeitmessung den stressigsten Job. Er muss:
- Ansagen machen: „Bei Kilometer 1,200 müssen wir bei exakt 2 Minuten und 15 Sekunden sein!“
- Abgleichen: Er schaut ständig zwischen Wegstreckenzähler, Schnitttabelle und Stoppuhr hin und her.
- Lichtschranken-Management: Kurz vor einer Lichtschranke zählt er für den Fahrer laut rückwärts: „5 – 4 – 3 – 2 – 1 – JETZT!“
Der Fahrer (Die ausführende Kraft)
Der Fahrer muss das Auto extrem feinfühlig bewegen.
- Tempo halten: Konstantes Gasgeben ist wichtiger als schnelles Fahren. Jedes Bremsen oder Beschleunigen macht die Kalkulation des Beifahrers schwerer.
- Kommando-Umsetzung: Auf die Ansage „Wir sind 2 Sekunden zu früh“ muss der Fahrer das Tempo sofort minimal anpassen, ohne den Rhythmus zu verlieren.
- Ziellinie: Er muss das Auto exakt im Moment des „JETZT“-Rufs über den Druckschlauch oder durch die Lichtschranke rollen lassen.
Zusammenfassung
Erfolg bei der Oldtimer-Rallye ist Teamarbeit. Während der mechanische Wegstreckenzähler die präzise Basis liefert, hilft die Schnitttabelle bei der Orientierung. Der digitale Timer sorgt für die nötige Genauigkeit im Sekundenbereich. Wer diese drei Werkzeuge beherrscht und ruhig bleibt, hat gute Chancen auf eine Plazierung im vorderen Bereich.
Tipp: Wie so oft im Leben macht hier Übung den Meister.
Eigene Erfahrung: Ohne Training und gute Kenntnisse des Fahrzeugs bleibst du definitiv nur Teilnehmer.
